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Virtual Races (VR) – was Veranstalter unbedingt beachten müssen!

19. Mai 2020 Lesedauer: 3:30 Minuten

Virtuelle Wettkämpfe sind eine tolle Sachen, denn „Jeder nimmt auf eigenes Risiko teil.” - Falsch!

Ein virtuelles Event ist ebenso wie ein reales Event als Veranstaltung anzusehen und löst ebenso bestimmte Rechte und Pflichten bei Veranstaltern und Teilnehmern aus.

Was ist ein VR?

Es sei vorangestellt, dass es im Folgenden nicht um echte virtuelle Wettkämpfe geht, bei denen die Teilnehmer im Internet gegeneinander antreten (E-Sport, Zwift etc.), sondern um Solo-Veranstaltungen z.B. als Alternative zu abgesagten Sportveranstaltungen. Bei dieser Art von Wettkampf meldet sich der Teilnehmer bei einer VR Veranstaltung an und absolviert an einem bestimmten Tag oder in einem bestimmten Zeitrahmen die gemeldete Distanz, wobei der Teilnehmer die Strecke frei wählen kann, und übermittelt im Anschluss Distanz und Zeit an den Veranstalter. Dieser übersendet dem Teilnehmer meist eine Urkunde und Medaille für sein erfolgreiches Finish.

Leichtsinn oder Unwissenheit?

Während z.B. in UK und Irland diese Art von Läufen bereits seit einigen Jahren angeboten werden, ist dies in Deutschland erst durch die Corona-Pandemie so richtig bekannt geworden. Entgegen vielen deutschen Veranstaltern kennen die Veranstalter aus den anderen Ländern ihre Pflichten und minimieren ihr Veranstalterrisiko mit Allgemeinen Teilnahmebedingungen. Von dieser Möglichkeit die Pflichten und vor allem die Haftung zu begrenzen, wird in Deutschland noch kaum Gebrauch gemacht.

Welcher Veranstalter braucht neue VR-Teilnahmebedingungen?

Es gibt zwar keine allgemeingültige Definition für einen Veranstalter, aber es gibt bestimmte Kriterien an denen Gerichte die Veranstaltereigenschaft fest machen und dann auch die Verantwortung / Haftung zusprechen. Zusammenfassend kann man sagen Veranstalter ist, wer...

zu einer Veranstaltung „öffentlich einlädt”, also nach außen als Veranstalter auftritt,

das finanzielle Risiko trägt und

wesentliche Entscheidungen treffen kann.

Das große Haftungsrisiko der Verkehrssicherungspflicht, also die Pflicht alle notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um Gefahren von Teilnehmern abzuwenden, bleibt auch bei virtuellen Läufen bestehen, wenn der Veranstalter nach außen auftreten will.

Dies ist z.B. der Fall, wenn die Teilnehmer T-Shirts oder Startnummern mit der Aufschrift der Veranstaltung bekommen und diese dann bei ihrem Solo-Lauf tragen.

Wozu braucht man VR-Teilnahmebedingungen?

Natürlich sind es dann andere Vorkehrungen, die der Veranstalter vorab zu treffen hat, also nicht mehr die Straßensperren und medizinische Versorgung, sondern eher verstärkt Hinweise an die Teilnehmer zu geben, was sie dürfen und was nicht.

Beispiel Bayerischer Bußgeldkatalog zur Corona-Verordnungen: „Neben dem Bußgeld gegen eine Individualperson nach § 30 OWiG kann auch eine juristische Personen und Personenvereinigungen (z.B. GmbH oder Vereine) mit einem Bußgeld zu belegen, wenn die juristische Person oder die Personenvereinigung durch den Verstoß bereichert worden ist. Die Geldbuße soll in diesen Fällen den wirtschaftlichen Vorteil, den der Täter aus der Ordnungswidrigkeit gezogen hat, übersteigen (§ 17 Abs. 4, § 30 Abs. 3 OWiG).”

Wer also eine VR Event veranstaltet, für welches sich die Teilnehmer anmelden und eine Gebühr bezahlen und dann die Teilnehmer aufgrund der VR Veranstaltung eine Ordnungswidrigkeit begehen (z.B. Missachtung der maximalen Personenanzahl nach einer Corona-Verordnung), kann auch der Veranstalter mit einem Bußgeld belegt werden. Wenn die Teilnehmer mit einem Shirt und einer Startnummer mit dem Aufdruck der Veranstaltung laufen, kann auch problemlos herausgefunden werden, wer der Veranstalter ist.

Daher ist es ratsam in die Teilnahmebedingungen aufzunehmen: „Jeder Teilnehmer ist verpflichtet bei seinem Solo-Lauf die Bestimmungen aus den Corona-Verordnungen einzuhalten. Dies betrifft insbesondere die Abstandsregeln sowie die Anzahl der Personen, wenn mehrere Teilnehmer beabsichtigen, die VR Veranstaltungen zusammen zu absolvieren.” Im Rahmen der Organisationsverantwortung muss auch ein virtueller Lauf so geplant und umgesetzt werden, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit der Teilnehmer vermieden wird. Das kann nur durch eine umfassende Aufklärung geschehen.

Daher empfehle ich auch für die VR neue bzw. angepasste Teilnahmebedingungen um das Haftungsrisiko für den Veranstalter zu minimieren.

Auch auf die Besonderheiten der neuen Eventform sollte eingegangen werden, da hierbei das Aufzeichnen und Übermitteln von Distanz und Strecke maßgeblich ist.

„Der VR Veranstalter haftet auch nicht für technische Hardware- oder Softwarefehler oder fehlgeschlagene bzw. unvollständige Internetübertragungen oder andere Fehlfunktionen jeglicher Art, die die Übermittlung der Distanz und der dazugehörigen Zeit an den Veranstalter seitens des Teilnehmers verhindern, es sei denn der Fehler tritt auf Seiten des VR Veranstalters auf.”

Nach den vielen Absagen aufgrund der Corona-Pandemie sollte auch unbedingt eine Klausel zum Umgang mit Startgeldern bei „höherer Gewalt” aufgenommen werden. Aber Vorsicht, eine solche Klausel ist nur wirksam, wenn sie den Vertragspartner nicht übermäßig benachteiligt und ihm nicht jegliche Rechte abspricht.

Gerne prüfen wir Ihre AGB oder helfen Ihnen beim Erstellen wirksamer Klauseln. Nehmen Sie unverbindlich Kontakt über unser Kontaktformular zu uns auf oder rufen Sie uns an:

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